Sabine far far away


Peking hautnah…
Juni 30, 2008, 6:01
Gespeichert unter: Peking 2008

 

Letzte Woche war geprägt von meiner Toilette… oder ist meine Toilette nun geprägt von mir…?! Na ja, wir werden es wohl nie erfahren. Und ich dachte schon, dass mein Zwieback und meine Hühnersuppe, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte, nicht zum Einsatz kommen. Aber dem war nicht so. Ist nun vernichtet und ich war froh, dass ich es dabei hatte.

Ich möchte nicht ins Detail gehen. Nachdem meine Mitbewohnerin schon meinte: „Sabine, please, I´m eating at the moment!“ Aber Tschuldigung, mit irgendjemand muss ich doch über meine Probleme reden :-D

Nach 6 Wochen Peking hat mein Magen sehr spürbar geäußert, dass er keine Lust mehr auf chinesisches Essen hat. So hab ich seinem Willen nachgegeben und habe zwei Tage lang nur Wasser und Brot zu mir genommen. Und ich habe, nachdem ich einen Tag lang nur Kamillentee in mich hineingeschüttet habe, von meiner Mitbewohnerin erfahren, dass das gar kein Kamillentee ist. Ich dachte noch, der schmeckt aber anders als in Deutschland. Aber nach einer Weile hier in China, wundert man sich über so was nicht mehr. Sie erklärte mir dann, dass dieser Tee, hier für bzw. gegen Verstopfung getrunken wird. Naja…. Kann nun nicht behaupten, dass ich unter Verstopfung gelitten hatte ;-) und danach wunderte ich mich auch nicht mehr, warum es meinem Magen nach der „Teekur“ nicht besser ging :-)

Und was hab ich daraus gelernt?? Man sollte sich nicht immer nur auf die Bilder auf der Verpackung verlassen – hätte wetten können, dass es Kamillen waren.

Und was noch?? Wenn schon die Chinesen sagen, dass das Mittagessen komisch schmeckt, sollte ich nicht noch den ganzen Teller in mich reinschaufeln.

 

Aber am Wochenende war ich dann wieder einigermaßen fit. So fit, dass ich mich gleich ins nächste Abenteuer geschmissen habe – mit dem Fahrrad durch Peking. Manche würden das vielleicht als lebensmüde bezeichnen… zumindest alle, die den Verkehr hier kennen. Da wird für einen Fahrradfahrer nicht gebremst. Der Fahrradfahrer wird höchstens angehupt, so dass der Aufprall nicht ganz so überraschend kommt.

Aber wenn man dann auf dem Fahrrad sitzt, ist es gar nicht mehr so schlimm. Man passt sich recht schnell an den Verkehr an. Und ich muss dazu sagen, dass wir uns hauptsächlich in den Hutongs aufgehalten haben, wo der Verkehr zivilisierter ist.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vielleicht was Hutongs sind. Wikipedia weiß die Antwort :-)   

Hutongs (chin. 衚衕 / 胡同, hútong) sind enge Gassen, die in Peking bis in die 1990er Jahre hinein eine der vorherrschenden traditionellen Wohnbebauungen waren. Sie werden aber auf Grund der Umgestaltung des Stadtzentrums zunehmend seltener. 

Mein Reiseführer sagt, dass momentan noch 20% der Bevölkerung dort lebt.

Die leben wirklich auf der Straße und eine Straße weiter steht ein 5-Sterne Hotel. Dieser Gegensatz ist schon krass. Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mitten in Peking die Menschen noch so arm leben. Und viel krasser ist eigentlich, dass das als eines der Touristen To Do´s gilt. Wir sind praktisch durch deren Wohnzimmer gefahren.

 

Mittags war ich dann noch mal im Lamatempel. Ich wollte dort Buddhafiguren weihen lassen. Meine Mitbewohnerin hatte mir erzählt, dass es dort ein Lama gibt, was dies macht. Total voller Spannung bin ich also in den Tempel gefahren und hatte mich ja schon gefragt, wie ein Lama wohl meine Buddhas weihen wird. Naja, zu meiner Enttäuschung stand da dann nicht DAS Lama, sondern DER Lama. Soviel zur interkulturellen Kommunikation ;-) . War trotzdem spannend so eine buddhistische Weihung mitzuerleben. Und ich glaub ich war die Erste die Buddhas weihen hat lassen. Der Lama hat mich nämlich ganz schön entgeistert angeschaut, als ich meine 6 Buddhas vor ihm auf dem Tisch aufgebaut hatte. Vielleicht lag es aber auch an der Plastiktüte, aus der ich meine Buddhas hervorgezaubert hatte. Wahrscheinlich ist so ne Plastiktüte den Buddhas nicht würdig :-)

 

Für den Sonntag hatte ich mich spontan zu einem Tai Chi Kurs angemeldet. Warum ich das gemacht hab, dürft ihr mich nicht fragen. Weil genau das hatte ich mich nach der ersten viertel Stunde im Kurs auch gefragt. Ich fand Tai Chi in Deutschland schon nicht toll, aber wer weiß, vielleicht ist es ja in China was anderes. Muss man ja einfach mal ausprobieren. Was anders war, war dass wir das in einem öffentlichen Park praktizierten, ich die einzige Deutsche war und die Lehrerin nur Chinesisch konnte. … hatte also ohne Probleme verstanden was sie erzählt hat. Und zudem dachte ich, dass es ein Anfängerkurs sei – falsch! Die hatten schon so ca. 15 Stunden. Und ich mit meinen zwei oder drei Stunden in Deutschland, konnte da natürlich nicht mithalten.

Kam mir auf jeden Fall etwas unbeholfen vor, und die zuschauenden Parkbesucher haben die Sache für mich nicht angenehmer gemacht. Aber nach einer Stunde hatte ich die Bewegungen und Figuren so einigermaßen drauf und es hat dann sogar ein bisschen Spaß gemacht ;-)

Letztendlich war es dann schon toll, Tai Chi von einer Chinesin (sie ist Olympiatrainerin) beigebracht zu bekommen. Sie war schon älter und hat so weise gewirkt – hat noch ein paar schlaue Lebensweisheiten los gelassen ;-)

 

Und ein riesen Fortschritt am Wochenende… zwei Wochen vor meiner Abreise kann ich endlich mit den Taxifahrern kommunizieren ;-) . Ich brauch keine Visitenkarte von meiner Wohnung mehr – sie verstehen mich endlich, auch wenn es manche total witzig finden, wenn ich mit ihnen spreche. Einer war total freundlich und fand es wohl total toll, dass ich versuche chinesisch zu sprechen und hat mit mir auf dem Heimweg geübt, den Straßennamen richtig auszusprechen.

Wobei ich am Wochenende auch ausgiebig die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt habe. Immer wieder ein Erlebnis – sowohl für mich als auch für die Chinesen. Die hatten sich glaub ich jedes Mal gefragt „Was ist denn das, was da in der Bahn steht?!“. ;-) Bin halt doch ein Exote hier.

Und seit meiner letzten Fahrt mit der Subway hab ich ne neue chinesische Freundin. Sie saß neben mir und hat mich mit ihrem bisschen Englisch angesprochen und fragte „Can we make friends?“ Total süß und da sagt noch mal jemand, man komme mit den Chinesen nicht in Kontakt :-)