Sabine far far away


Ni hao
Mai 19, 2008, 7:07
Gespeichert unter: Peking 2008

Hallo zusammen,

 

der erste Bericht ist glaub ich schon überfällig J. Bin ja doch schon 5 Tage hier.

 

Ich bin gut angekommen in Peking.

Der Flug war gut. Von British Airways war ich wirklich positiv überrascht. Es gab sogar in der Economy Class einen eigenen Bildschirm und eine große Auswahl an Filmen. Auch Essen hatte ich schon Schlechteres im Flugzeug. Der Flug war nicht komplett ausgebucht und ich hatte das Glück einen Platz neben mir frei zu haben. So waren auch ein paar Stunden Schlaf gesichert.

 

Die Sicherheitsbestimmungen sind entweder bei British Airways strenger als bei Lufthansa oder sind sie allgemein verstärkt worden. Ständig musste man seine Taschen durchleuchten lassen (was mit drei schweren Taschen Handgepäck nicht unbedingt schön war), Schuhe ausziehen, Schuhe anziehen,…. dann kamen Hunde, die einen beschnüffelt haben. Bis wir dann endlich alle im Flugzeug saßen. Und dasselbe am Pekinger Flughafen bei der Ankunft. War die letzten beiden Male nicht so extrem.

 

Gelandet bin ich dann bei strahlendem Sonnenschein, wenn das kein Empfang ist J. Kein Smog bzw. fast keiner… die Sicht war recht gut.

Dass ich abgeholt wurde, hatte tatsächlich geklappt. Hatte ja nicht so recht daran geglaubt, nachdem die Verständigung mit der Chinesin, die mich abholen wollte, von Deutschland aus nicht so gut funktioniert hatte.

Aber sie war da – auch wenn wir uns nicht gleich gefunden hatten. Da standen sicherlich hundert Chinesen in einer Reihe mit Schildern in der Hand. Da kann man seinen eigenen Namen schon mal übersehen.

 

Angekommen in dem Apartmentkomplex, bin ich einer anderen Chinesin übergeben worden, die mir meine Wohnung/Zimmer gezeigt hat. Sie ist die Rezeptionsdame und ist die einzige die dort Englisch spricht, was ich am Wochenende schon schmerzlich erfahren musste.

So, nun war ich da – ganz alleine in der Wohnung, ganz alleine in Peking. Meine Mitbewohnerin und die zwei Praktikanten und zwei Trainees, die ich hier kenne, waren ja beim Arbeiten. Telefonnummer hatte ich von denen keine und wusste auch nicht wo sie wohnen. Deutschland hat um die Zeit noch geschlafen. Und auch das Internet in der Wohnung hat mit meinem Rechner nicht funktionierte – ich hatte ich mich gefühlt wie auf einem anderen Stern. So hatten die mich auch alle angeschaut – wie eine Außerirdische. Peking war auf einmal nicht mehr so, wie ich es in Erinnerung hatte. Ich war nun auf mich alleine gestellt.

 

Bevor ich dann aber in Depressionen vor Einsamkeit verfallen wäre J wollte ich dann doch lieber ein paar Sachen zum Putzen kaufen – das Bad hatte förmlich danach geschrieen, geputzt zu werden (ich erspar mir hier die Einzelheiten J). War dann doch nicht so einfach alles zu finden und sich irgendwie mit denen zu verständigen. Aber die Chinesen sind ja alle superfreundlich und haben sich im Supermarkt gleich um mich geschart und wollten mich beraten. Hab zwar nichts verstanden, aber fand ich trotzdem ganz nett. Und nun hab ich ein mit Putzmitteln und Kosmetik ausgestattetes Bad.

 

Leider ist in der Straße, in der ich wohne, weit und breit kein McDonalds, KFC oder etwas dergleichen. Einerseits ja gut (möchte mich ja nicht zwei Monate von Fast Food ernähren), andererseits wollte ich an meinem ersten Tag in kein chinesisches Restaurant gehen. Nicht wenn niemand dabei, der mir übersetzen kann, was ich da esse. Der Hunger war dann aber doch irgendwann recht groß. Einzige Chance: der McDonalds bei unserem alten Hotel – die Cheeseburger sind dort einfach klasse J.

Auf dem Rückweg in die Wohnung bin ich dann müde vom Flug und vollgefuttert vom Maxi Menü doch etwas schläfrig geworden. Bin dummerweise im Taxi eingeschlafen, was einem hier einfach nicht passieren sollte. Die Taxifahrerin hat das schamlos ausgenutzt und hat die schlafende Sabine quer durch Peking gefahren (die Rückfahrt war ungefähr doppelt so lang im Vergleich zur Hinfahrt). Aber wichtig ist ja, dass ich dann doch irgendwann angekommen bin J

 

Meine Mitbewohnerin habe ich erst am nächsten Tag gesehen. Kurz bevor ich zur Arbeit los bin. Sie ist super nett – ihr Name ist Qianqian (spricht man aus wie Gin – der Alkohol J und das dann zweimal hintereinander). Der Name verrät es schon – sie ist Chinesin. Sie hat jetzt ein Jahr an der University of North Carolina studiert und hat vor einer Woche ihr Praktikum bei Daimler bzw. bei BBDC (wo auch ich gerade arbeite) begonnen. Ihr Englisch ist dementsprechend gut und mehr mit amerikanischem als mit chinesischem Akzent.

Sie hat mir dann auch gleich gezeigt, wo mein Shuttlebus zur Arbeit steht. Hätte ich mit meinem Orientierungssinn wohl nie gefunden. Das ist eine ziemlich große Anlage mit 4 Gebäuden und einem Garten. Ich war ja schon froh, dass ich nach dem Einkaufen und Essen wieder zurück in die Wohnung gefunden hatte.

 

Im Shuttlebus zur Arbeit hab ich dann die altbekannten Gesichter der Praktikanten und Trainees wieder gesehen. Und bei der Arbeit hat man mich auch mit offenen Armen empfangen. Da war die Welt wieder in Ordnung.

Meine Arbeitszeiten sind abhängig von der Fahrt mit dem Shuttlebus. Der fährt so gegen 7:50 Uhr Richtung Arbeit und gegen 17:30 Uhr wieder zurück. Fahrtzeit ist zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Kommt auf den Verkehr an.

Das erste Kantinenessen am Freitag hab ich auch überlebt – es ging da anderen ja schon anders J. So sauber geht’s da nicht zu – da bleibt dann schon mal das Grätengerüst eines Fisches auf dem Tisch zurück. Man versucht mir auch immer wieder mal das Stäbchenessen beizubringen, was einfach nicht so wirklich funktioniert. Und die spachteln das Zeugs mit ihren Stäbchen einfach nur so rein – essen echt extrem schnell. Ich bin ja schon in Deutschland immer die letzte, die mit Essen fertig ist. Aber bis ich hier meine Stäbchen in die richtige Position zwischen meine Finger geklemmt habe und zu essen anfangen kann, haben die anderen ihren Teller schon halb leer.

 

So waren dann die ersten zwei Tage mit sehr vielen neuen Eindrücken zu Ende – Zeit für das Nachtleben in Peking, welches dann fast direkt nach der Arbeit angefangen hat. Wir (Trainees, Praktikanten, Diplomanden) waren zuerst chinesisch essen (wer hätte es gedacht – so viel Auswahl bleibt einem ja nicht) und dann, wie sollte es anders sein, waren wir in einer Karaokebar mit einer Disco. Nach diesem Abend habe ich mich dann auch an die chinesischen Toiletten gewöhnt, die doch anders sind als in Deutschland. Die Armatur ist im Boden eingelassen und man steht dann da als würde man hinter einen Baum pinkeln (also, so wie die Frauen hinter einen Baum pinkeln würden).

 

Am Samstag ging es dann erst mal shoppen mit meiner Mitbewohnerin. Abends war ich mit meinen Arbeitskollegen beim Essen – Koreanisches Grillen. War sehr lecker und ich war auch wirklich papp-satt danach.

Meine Kollegen sind alle super nett und alle in meinem Alter. Zwischen 26 und 32, eine ist glaub ich etwas älter. Sie kommen alle aus China. Und dann zusammen mit meiner chinesischen Mitbewohnerin hab ich glaub ich „China pur“ in den zwei Monaten hier.

 

Shoppen und Essen waren noch die guten Dinge an diesem Tag – der Tag hatte es aber noch in sich. Als wir vom Einkaufen kamen und ins Haus zurück sind, hatte da wohl kurz davor ein Hund vor den Eingang unseres Hauses geschissen. Mitten vor den Eingang. Und das lag da dann – wer tut den so was?!

Naja, leider war ich so mit meinen vielen Einkaufstüten beschäftigt, dass ich dieses kleine Etwas vor dem Eingang nicht gesehen habe und wer läuft mitten in diesen Scheiß rein? Ich! Super, die Scheiße war dann nicht nur an meinen Schuhen, sondern auch an meiner Hose, weil die auf dem Boden gestreift hatte.

Das wäre dann ja noch gar nicht das Schlimmste gewesen. Dummerweise hatte ich davor meinen Schlüssel im Zimmer vergessen und hab meine Zimmertür zugeschlossen. Fragt nicht wie ich es geschafft habe, ohne Schlüssel mein Zimmer abzuschließen – in China geht alles! Auf jeden Fall lag nun mein Schlüssel im abgeschlossenen Zimmer. Aber ist ja alles kein Problem, weil in der Beschreibung zur Wohnung stand, dass es ein Ersatzschlüssel an der Rezeption gibt. Runter zur Rezeption, war da leider nicht mehr die Englisch sprechende Rezeptionistin, sondern ein Mann der nur chinesisch konnte. PRIMA!! Letztendlich kam raus, dass er mir das Zimmer nicht öffnen kann. Er konnte mir nur die Eingangstür zu Wohnung öffnen, aber er hat keinen Zugriff für die Ersatzschlüssel der einzelnen Zimmer – und so musste ich bis zum nächsten Morgen warten.

Da stand ich also: vor meinem verschlossenen Zimmer, stinkend wie ein Iltis und ohne Bett für die Nacht.

Qianqian hat mir dann freundlicherweise Asyl in ihrem Bett angeboten. Gott sei Dank haben wir hier große Betten J

 

Am Sonntag war dann Sightseeing angesagt. Das Wetter war super. Nachdem es am Samstag geregnet hatte, war der Himmel am Sonntag wieder richtig klar und die Sonne hat gebrannt.

Abends kam dann das Highlight: Qianqian und ich waren bei einer chinesischen Familie eingeladen. Dort haben wir gemeinsam gekocht – eine Spezialität aus dem Norden Chinas. War interessant dieses Zeugs zuzubereiten und geschmeckt hat es dann auch recht gut.

 

Ich könnte noch so viel schreiben. Aber das wars jetzt erst mal von meinen ersten Tagen in Peking! Auf jeden Fall ist es super spannend und mir gefällt wirklich sehr gut hier.

Bilder folgen noch!